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Sicherheit und Standards

Sicherheit als Unternehmenskultur

In einer Fluglinie ist die Sicherheitskultur die Basis aller Abläufe. Das bedeutet, dass alle Mitarbeiter – und nicht nur die Piloten und Flugbegleiter – ihre Arbeit vor allem mit Blick auf deren Auswirkungen auf die Flugsicherheit ausrichten müssen.

Auf dieser Sicherheitskultur bauen unzählige Standards und Vorschriften auf, welche die Organisation des Unternehmens, die Arbeitsabläufe und die Flugsicherheit festlegen. Jede Fluggesellschaft operiert nämlich gemäß den gesetzlichen Bestimmungen ihres jeweiligen Staates, muss jedoch auch die Anforderungen der International Civil Aviation Organisation – ICAO und der Europäischen Union erfüllen.

IOSA-Sicherheitszertifikat

Adria Airways war eine der ersten Fluggesellschaften, die das IOSA-Zertifikat (IATA Operational Safety Audit), welches sich auf alle technischen Vorschriften bezieht, sowie das ISO-Standard-Zertifikat, welches die Managementqualität des Unternehmens festlegt, erhalten hat.

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Das Sicherheitsteam ist das A und O

Jede Fluggesellschaft hat eine Gruppe von Mitarbeitern, die sich speziell mit dem Thema Sicherheit beschäftigt. Bei kleineren Fluglinien übernimmt diese Aufgabe normalerweise nur einer Person. Doch obwohl Adria Airways eine kleinere Fluglinie ist, hat sie ein Team von 4 Piloten, die Empfehlungen und Anfragen an das Management richten.

Erfolg mit dem Prinzip der Anonymität

Die Aufgabe des Sicherheitsteams ist die Beaufsichtigung des Berichtsystems unerwarteter oder unvorschriftsmäßiger Vorfälle. Der Ablauf ist sehr einfach gehalten und basiert auf dem Prinzip der Anonymität.

  • Macht ein Pilot oder ein anderes Crew-Mitglied einen fachlichen Fehler, dann muss diese Person die Umstände des begangenen Fehlers dokumentieren und die mögliche Ursache dafür erklären. Die Fluglinie garantiert, dass aufgrund dieses Vorfalles keine disziplinären Sanktionen erfolgen. Auf diese Weise ermutigen wir unsere Beschäftigten zu tatsächlichen Fehlerberichten.
  • Auf der Grundlage dieser Crew-Berichte verfasst das Sicherheitsteam Empfehlungen für Änderungen und schickt diese an den Vorstandsvorsitzenden. Im Bereich der Wartung gibt es ein ähnliches System.
  • Die Fluglinie muss bestimmte, in den europäischen Bestimmungen festgelegte Vorfälle, wie beispielsweise einen Triebwerksausfall, der Zivilluftfahrtbehörde melden.
  • Solche Vorfälle können unter Umständen die Sicherheit beeinträchtigen, daher muss die Flugbesatzung darauf vorbereitet sein.

Monitoring von Flugdaten

Ein Mitglied des Sicherheitsteams hat zudem die Aufgabe, das Monitoring von Flugdaten zu beaufsichtigen. Das System ähnelt der sogenannten Black Box und zeichnet ungefähr 150 verschiedene Datensätze während des Fluges auf. Nach jedem Flug werden die Daten durch einen Experten ausgewertet und auf Abweichungen hin untersucht. Sollte dieser beispielsweise feststellen, dass Piloten mit höheren oder geringeren Geschwindigkeiten als empfohlen gelandet sind, dann spricht er eine Empfehlung für eine sofortige Schulung für alle Crews aus.

Wir sind uns bewusst, dass bei unserer Tätigkeit jede noch so kleine Einzelheit, die eine sichere Landung des Flugzeuges gewährleistet, zählt.

Permanente Weiterbildung der Crew

Alle sechs Monate müssen Piloten ein Zwei-Tage-Training am Simulator absolvieren, bei dem sie das Handeln in Notfallsituationen wie Triebwerksausfall, Triebwerksbrand, Rauchentwicklung in der Kabine, Druckabfall und so weiter trainieren. Zudem müssen sie mindestens einmal pro Jahr an einem sogenannten Line Oriented Flight Training teilnehmen, bei dem die Piloten einen simulierten einstündigen Flug, von der Vorflugkontrolle bis zur Landung, ausführen müssen.

Simulierte Flügen

Die simulierten Flüge werden so ausgeführt, dass diese einem echten Flug mit bestimmten Fehlfunktionen oder anderen Problemen so ähnlich wie möglich sind. In dieser Situation übernimmt der Instruktor die Rolle eines Fluglotsen, eines Flugbegleiters oder eines Mechanikers. Sobald die Übung beendet ist, folgt eine Videoanalyse, in welcher die Piloten ihre Handlungen gemeinsam mit dem Instruktor im Detail bewerten. Bei solchen Übungen müssen sie auch jene Standards erreichen, die für die Erneuerung der Lizenz vorgeschrieben sind.

Auch die Flugbegleiter müssen sich regelmäßigen Evaluierungen und Weiterbildungen unterziehen. Bei solchen Trainings werden die Evakuierung im Notfall, die Feuerbekämpfung in der Kabine und ähnliche Situationen geübt.

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Dreifache Komponenten für größere Sicherheit

Flugzeuge bestehen aus tausenden Komponenten und diese gibt es aus Sicherheitsgründen in doppelter, manchmal sogar dreifacher Ausführung. Daher können Flugzeuge sicher an den Zielort weiterfliegen, auch wenn eine oder gar zwei Komponenten Fehlfunktionen aufweisen.

Fehlerbehebung

Stellt ein Pilot fest, dass etwas am Flugzeug nicht ordnungsgemäß funktioniert, dann notiert er dies in das technische Logbuch. Nach der Landung muss ein Mechaniker den Fehler umgehend beheben und dies schriftlich bestätigen. Bei schwerwiegenderen Fehlfunktionen, wie beispielsweise bei einem Triebwerksausfall, muss der Pilot den nächstgelegenen Flughafen anfliegen und landen, auch wenn die gesetzlichen Vorgaben ein Weiterfliegen von mindestens einer Stunde erlaubten. Der Flug kann also sicher fortgeführt werden, doch darf das Flugzeug mit einem solchen Fehler keinesfalls erneut starten. Die Vorgaben für das Auswechseln und Überprüfen von Komponenten werden vom Hersteller festgelegt und müssen von der Zivilluftfahrtbehörde bestätigt werden.

Das Flugzeug kann sogar mit einem Triebwerkschaden sicher starten, doch ist dies nur in Ausnahmefällen erlaubt, wenn keine andere Möglichkeit besteht, das Flugzeug sicher auf der Startbahn zu stoppen.

Es kann auch vorkommen, dass das Flugzeug wieder zur Parkposition am Flugsteig zurückkehren muss, nachdem die Flugvorbereitungen schon abgeschlossen sind. Piloten entdecken manchmal während der routinemäßigen Vorflugkontrolle Fehlfunktionen an einer der Komponenten und obwohl es ihnen in manchen Fällen dennoch erlaubt wäre, zu starten, ziehen sie es vor, die betreffende Komponente unverzüglich reparieren zu lassen. In den meisten Fällen ist es jedoch ohnehin verboten zu starten, auch wenn das Flugzeug ganz normal fliegen könnte.

Manchmal sagen Passagiere, ein Flugzeug sei kaputtgegangen. Doch Flugzeuge gehen nicht kaputt.

Sicherheit im Luftraum

Der Luftverkehr hat in den letzten Jahren stetig zugenommen, gleichzeitig jedoch verzeichnet auch die Technologie zur Gewährleistung der Flugsicherheit große Fortschritte. Vor kurzem wurde der Vertikalabstand zwischen den Luftkorridoren in Flughöhen von über 8.800 m auf 300 m reduziert. Dies ist jener Abstand, der bislang stets für geringere Flughöhen verwendet wurde.

Bessere Ausstattung der Flugzeuge, modernere Höhenmesser und spezielle Verfahren zur Anwendung geringerer Vertikalabstände zwischen den Flugzeugen haben diese Veränderung ermöglicht. Ein weiterer Fortschritt der letzten Jahre ist das System zur Warnung vor einem möglichen Zusammenstoß in der Luft, welches Piloten auch Instruktionen zur Vermeidung von Kollisionen bereitstellt.

Ein weiterer Fortschritt der letzten Jahre ist das System zur Warnung vor einem möglichen Zusammenstoß in der Luft, welches Piloten auch Instruktionen zur Vermeidung von Kollisionen bereitstellt.

Der Faktor Mensch an erster Stelle

In der Welt der Luftfahrt werden Sicherheitsbelange von Jahr zu Jahr wichtiger. Die Entwicklung neuer Komponenten macht schnell Fortschritte. Das System zur Warnung vor Kollisionen in der Luft und am Boden als auch das Navigationssystem an Bord wurden stark verbessert, sodass Flugzeuge nun im Nebel mit einer Sichtweite von nur noch 75 m landen können.

Dennoch dürfen wir nicht vergessen, dass der Mensch immer noch das Wichtigste ist. In den letzten 20 Jahren haben Experten das Konzept des Human Resource Management im Cockpit extrem schnell weiterentwickelt, da die Zusammenarbeit im Cockpit manchmal von entscheidender Bedeutung ist. Es hat sich gezeigt, dass ein hoher Prozentsatz an Unfällen passiert ist, bei denen der Copilot zwar wusste, dass etwas nicht in Ordnung war, dies dem Piloten jedoch nicht mitteilen konnte, dazu nicht in der Lage war oder der Pilot einfach nicht zugehört hatte.

Neben der Zusammenarbeit im Cockpit üben Piloten auch Entscheidungsmethoden oder das Abwägen von Fakten vor dem Treffen einer endgültigen Entscheidung. Unter Piloten gilt die Regel, dass bei Auftreten des geringsten Zweifels die sichere Option immer Vorrang hat.

Festgelegte Arbeitszeiten der Crew

Die Arbeitszeiten der Crew sind strikt festgelegt und gesetzlich geregelt. Tägliche, wöchentliche und selbst monatliche Grenzwerte sind vorgeschrieben. Die Arbeitszeiten sind durch internationale Abkommen festgelegt und müssen von allen Fluggesellschaften eingehalten werden.

Anfliegen von Flughäfen

Für Piloten macht es keinen Unterschied, auf welchem Flughafen sie landen, da überall dieselben Sicherheitsstandards gelten, doch manche Flughäfen haben bestimmte Einschränkungen.

Ist beispielsweise ein Flughafen für seine starken Winde bekannt, dann kann die Fluglinie bestimmen, dass ihre Flugzeuge dort nur bis zu einer festgelegten, maximalen Windgeschwindigkeit landen. Natürlich verlangt das Anfliegen solcher Flughäfen besondere Aufmerksamkeit und Vorbereitung. Manche Flughäfen können Piloten nur dann anfliegen, wenn sie sich zuvor einem speziellen Training unterzogen haben.

Neben der Zusammenarbeit im Cockpit üben Piloten auch Entscheidungsmethoden oder das Abwägen von Fakten vor dem Treffen einer endgültigen Entscheidung.

Flugzeugwartung für sichere Flüge

Nach der Landung wird jedes Flugzeug von Adria Airways vom Wartungsteam von Adria Tehnika inspiziert und gewartet. Aufgetretene Fehler in den einzelnen Betriebssystemen werden nach dem vom Hersteller empfohlenen Verfahren behoben. Das Wartungspersonal arbeitet in drei Schichten und ist 24 Stunden am Tag verfügbar. Am Heimatflughafen Ljubljana besitzt Adria zwei beheizte Hangars, die mit allen notwendigen Werkstätten und Lagerplätzen ausgestattet sind.

Das Flugzeugwartungssystem, welches detailliert alle Verfahren und die Wartungsintervalle aller Flugzeugsysteme definiert, ist vom Hersteller vorgegeben. Es gibt verschiedene Arten von Inspektionen:

Tägliche Inspektionen

Bei den täglichen Inspektionen führen die Mechaniker eine visuelle Gesamtinspektion des Flugzeugs aus, um eventuelle physische Schäden an wesentlichen Flugzeugteilen zu entdecken, sie überprüfen und füllen nach Bedarf Flüssigkeiten nach, überprüfen die Notfallausrüstung sowie den Zustand der Passagierkabine und prüfen den Druck in den Reifen.

Alle Flugzeugsysteme werden auf eventuelle Fehler untersucht, die am nächsten Tag einen Start vom Heimatflughafen verhindern würden. Auch der Pilot überprüft vor dem Start, ob alle Systeme, insbesondere die Bedien- und Kontrolleinrichtungen, funktionieren. Besondere Aufmerksamkeit gilt der Funktion der Triebwerke.

Das technische Bodenpersonal überwacht ständig die korrekte Funktion der Triebwerke und den Abnutzungsverlauf, um festzulegen, wann die Triebwerke demontiert, inspiziert und überholt werden müssen.

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Wöchentliche Inspektionen

Jede Woche werden die Flugzeuge einer noch detaillierteren Inspektion unterzogen, bei der zusätzlich alle Systeme inspiziert und überprüft werden, von den Steuerungs- bis zu den Sicherheitssystemen wie beispielsweise den Löscheinrichtungen des Flugzeuges.

A-Checks

Der erste umfassendere periodische Wartungscheck, der sogenannte A-Check, muss nach 500 bis 600 Flugstunden erfolgen, was durchschnittlich nach 45 Tagen der Fall ist. Dabei werden die Filter getauscht und alle lebenswichtigen Systeme sowie Fahr- und Triebwerke genauestens überprüft und getestet.

Mit der Ausstattung, dem Training und der Erfahrung des technischen Personals von Adria Tehnika können auch höchst anspruchsvolle und umfassende Fünfjahreswartungen durchgeführt werden. Zusätzlich zur Kontrolle aller Systeme wird dabei eine genaue Inspektion der Flugzeugstruktur durchgeführt, um alle möglichen Schäden, Risse oder Korrosion am Flugzeugrumpf zu entdecken. Bei dieser Inspektion wird auch auf allgemeine Sauberkeit und den Korrosionsschutz der Flugzeugstruktur großen Wert gelegt, da dies der Schlüssel zu einer langen Lebensdauer des Flugzeuges ist.

Einmal pro Jahr werden das Flugwerk, alle Systeme und natürlich die Triebwerke genauestens überprüft.

Generalüberholungen

Generalüberholungen, die alle 10 Jahre anfallen, werden in einer größeren autorisierten Serviceeinrichtung durchgeführt. Dabei wird das ganze Flugzeug überholt, wofür man für einen Airbus A320 sechs Wochen bzw. 25.000 Arbeitsstunden benötigt.

Dank derart gründlicher Wartungsarbeiten verlaufen 99,5 Prozent aller Adria Airways Flüge ohne Verspätungen wegen eventueller Schäden und Fehlfunktionen, was uns in Bezug auf die Zuverlässigkeit zu einer der weltbesten Fluglinien macht.

Für hochwertige Flugzeugwartung und die Anpassung der Organisation und des gesamten Wartungssystems an die in der EU gültigen Empfehlungen und Standards, erhielt Adria Tehnika das European Union JAR 145 Zertifikat. Mit diesem Zertifikat kann Adria Tehnika auch anderen Fluggesellschaften Wartungsarbeiten anbieten. Im Jahre 2004 war Adria Tehnika weltweit unter den ersten 12 Unternehmen, die das IOSA-Sicherheitszertifikat erhielten.

Im Jahre 2004 war Adria Tehnika weltweit unter den ersten 12 Unternehmen, die das IOSA-Sicherheitszertifikat erhielten.